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Full text of "Podcast Two Go - Leni und Philipp auf Weltreise"

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Russland, Kickstart Weltreise 

July 18,2018 



Russland 2018 - Alter Soviet-Charme neben 


modernen und selbstbewussten Städten 

Am 27.06. ist es soweit: 8h Zugfahrt nach Berlin und 
34h Busfahrt einmal querdurch das Baltikum sind 
geschafft und wir betreten russischen Boden. Unser 
Visum wurde also akzeptiert, auch wenn die 
Grenzbeamten um 02.00 nachts nicht sonderlich 
motiviert waren und die Abfertigung unseres Busses 
ganze 11/2 Stunden in Anspruch genommen hat. 

Sind wir jetzt da?? 

In Sankt Petersburg scheint die Sonne und wir 
versuchen uns erstmal in der riesigen Stadt zu 
orientieren. Die Busfahrt hat uns langsam in 
Reisestimmung versetzt und warein echtes 
Abenteuer. Interessant war unterwegs zu sehen, wie 
sich die Landschaft verändert und vom Baltikum 
hatten wir auch keine so richtige Vorstellung. Vor 
allem aber haben wir bemerkt, wie die Tage immer 
länger wurden! Je weiter wir Richtung Norden 
unterwegs waren, desto länger ist die Sonne abends 
am Horizont verharrt. Später haben wir in Sankt 
Petersburg dann auch die berühmten Weissen Nächte 
erlebt, in denen es ähnlich dem polaren Sommer 
nicht ganz dunkel wird - auf jeden Fall eine 
wahnsinnige Erfahrung! Obwohl wir nur4Tage in der 
Stadt waren, hat sich unser Rhythmus durch das lange 
Tageslicht schnell verändert und wir haben uns dem 
lokalen Rhythmus angepasst. Das heißt: Wir sind 
jeden Tag bis in die Puppen unterwegs gewesen! 



Blick von der Anitschkow-Brücke auf einen dervielen 
Kanäle der Stadt 



Die Admiralität bei Sonnenuntergang macht schon 
was her! 

Wie schmeckt Russland? 

Überrascht waren wir von der Russischen Küche¬ 
neben den bekannten Klassikern Borscht (kalte oder 
warme Suppe mir roter Beete und Kräutern) oder 
Pelmeni (die russischen Ravioli) gibt es viele sehr 
abwechslungsreiche und leckere Gerichte. Uns haben 
die verschieden gefüllten Teigtaschen und mit Käse 
überbackenen Fleischklöse zugesagt, die wir uns in 
einer Art Kantine gegönnt haben. Dort bekommt man 
viel Essen für sehr wenig Geld geschöpft und die 
Qualität ist überragend. Wir haben dort auch nur 
Einheimische essen sehen, was immer ein gutes 
Zeichen ist. Generell muss man sagen, ist das Essen in 
Russland sehr fettig und fleischlastig- definitiv nichts 
für den figurbewussten Typ! Apropos figurbewusst: Die 








Russen stehen definitiv auf süß. Und mit süß meinen 
wir pappsüß. Torten in allen möglichen Farben, 
gefüllte Blätterteigtaschen, Kekse, hier kommen 
Schleckermäuler richtig auf ihre Kosten. Für uns war 
deshalb auch ein Dessert obligatorisch mit dabei! 
Irina, unsere russische Mama mit Allrounder- 
Fähigkeiten 

Dass wir uns in Sankt Petersburg so super wohl gefühlt 
haben liegt auch an Irina, die das Hostel in dem wir 
untergekommen sind im Alleingang geschmissen hat. 
Wir hatten eher das Gefühl, Gäste in ihrem Flaushaltzu 
sein, als in einem Hostel zu wohnen. Von Früh bis Spät 
wurde geputzt, gebügelt und gemacht. Es gibt zwar 
auch einen Mann an Irinas Seite, der spielt im Hostel 
aber eher eine Statistenrolle;-). Vergesslich wie ich 
(Philipp) bin, habe ich in der Hektik beim Auschecken 
meinen heißgeliebten Fleecepulli vergessen (dieser 
Verlust hängt mir auch jetzt, Wochen später noch 
nach...). Tausend Dank auch hier noch mal an dich 
Irina, dass du den Pulli zurück nach Deutschland 
geschickt hast! 



Eremitage und Palastplatz um ca. 24.00 Uhr (man 
beachte den hellen Florizont) 



Pelmeni und Philipp - eine Liebesgeschichte 

Religion in Russland 



Die Klosteranlage Sergijew Possad - UNESCO 
Weltkulturerbe 

Russland ist ein zutiefst religiöses Land. Die Christlich 
Orthodoxe Kirche prägt das Land und die Menschen 
sehr stark, wie wir schnell festgestellt haben. Die 
zahlreichen wunderschön verzierten Kirchen mit Gold 
Kuppeln und Zwiebeltürmen sind nicht nur Folklore, 
sondern werden aktiv genutzt. Bei unserem Ausflug in 
das Kloster Sergijew Possad konnten wir noch einmal 
eine andere Seite Russlands, abseits der großen 
Städte, wo es sehr schnell sehr ländlich wird, 
kennenlernen. Die Menschen die das Kloster besucht 
haben waren traditionell gekleidet (lange Röcke + 
Kopftuch bei Frauen, dunkle, gesetzte Kleidung bei 
Männern). Die orthodoxen Priester tragen lange, 
schwarze und wallende Gewänder und sind für uns 
Mitteleuropäer wirklich ein spannender Anblick! Die 
Kirchen sind außen sehr kunstvoll und mit viel Gold 
verziert, im Inneren findet man bemalte Wände mit 
uralten und teilweise verwitterten Fresken. Die 
wenigen Bilder in den Kirchen sind meist in einen 
Glaskasten eingelassen und werden von den 
Gläubigen Besuchern geküsst, auch das für uns sehr 
ungewohnt, hier jedoch ein Zeichen der Gläubigkeit 
und des Respekts gegenüber Heiligen. 

Von A nach B - Abenteuer russische Eisenbahn 
Züge in Russland sind eine Sache für sich. Die 
Distanzen, die man zurücklegt, sind für uns Europäer 
nur schwer vorstellbar. Für den Russen ist alles unter 
1000 km nur Kurzstrecke. Man kann Tage im Zug 
verbringen, ohne dass sich die Landschaft wirklich 
ändert. Das Land ist einfach unvorstellbar groß (45x 













Deutschland!!) und so werden auf der Landkarte 
scheinbar kurze Strecken zu endlosen Fahrten. Unsere 
längste Fahrt dauerte knapp 36 Stunden von Moskau 
runter in den Kaukasus nach Wladikawkas. Zugfahren 
in Russland bedeutet dann auch etwas ganz anderes 
als in Deutschland, aufgrund der langen Strecken wird 
der Zug zu einem zweiten zu Flause und entsprechend 
richten sich auch die Leute ein. 



Lena, Larissa und Rita, unsere Bekannschaft aus dem 
Zugabteil 






Georgien: Tushetidogs, malerische Natur und hohe Gipfel 

July 28,2018 



Gamarjoba! in Georgia 

Vor unserem Reisebeginn hatte ich mich unter 
Anderem besonders auf Georgien als eines unserer 
ersten Ziele gefreut. Schon bei der Recherche 
versprach Georgien, bisher als untouristisches 
Reiseziel bekannt, tolle Natur mit grandiosen 
Berglandschaften, Meer, Küste, eine aufregende 
Hauptstadt und vor allem guten Georgischen Wein. 
Das haben wir zuerst gemerkt: In Georgien wird 
Gastfreundschaft Groß geschrieben und der Wein ist 
wirklich so gut wie er verspricht! Nachdem wireinen 
spannenden Grenzübergang von Russland nach 
Georgien hinter uns hatten, haben wir zuerst ein paar 
Tage in der Hauptstadt Georgiens, dem modernen 
Tbilisi (Tiflis) verbracht. 



Old and happy in Tbilisi 

Orangengroße Pfirsiche 

Von Tbilisi aus ging es weiter Richtung Nordost. Nicht 
zu übersehen: Kaum ist man raus aus der Stadt und 
wird es etwas ländlicher reiht sich ein naturbelassener 


Garten, schöner als der Nächste, an den anderen. 
Gemüsebeete, mit einfachsten Mitteln angelegt, und 
Obstbäume an denen Pfirsiche hängen die fast so 
groß sind wie Orangen. 

Da wir nach einigen Städten und unzähligen 
Kilometern die wir mit den lokalen Marshrutka 
gemacht hatten, dringend eine große Portion Natur 
nötig hatten, sollte unser nächstes Ziel die Bergwelt 
des Kaukasus werden. Die Auffahrt ist nur mit einem 
eigenen Fahrerderein Allradauto und jede Menge 
Fahrerfahrung besitzt möglich, da die Straße als eine 
der gefährlichsten Straßen der Welt gilt. Wirwussten 
das vorab und waren früh am morgen trotz 
unmenschlicher Zeit topfit vor Aufregung und etwas 
Unbehagen. Knappe fünf Stunden dauerte die Auffahrt 
die Shoti, unser Fahrer, ohne Touristen an Bord in drei 
schafft! Fragten wir Shoti nach Gefahren gab er uns auf 
Alles verbunden mit seinem unbeschwerten Lächeln 
ein “maybe no problem“ als Antwort. Die 
Beschleunigung des Puls, dank der kaum 
vorhandenen Straße, die teilweise durch Gebirgsflüsse 
bis zur Hälfte abgewaschen war und der Anblick 
einiger Kreuze, welche an die Verunglückten 
erinnerten, relativierte sich spätestens als wir den 
höchsten Pass (3000m) erreichten und sich uns hier 
ein Ausblick bot, der mit Worten nicht zu beschreiben 
ist. Endlich oben angekommen! 

Info: Marshrutka= umgebauter Transporter in dem sich 
19 Personen auf einem DIN-A4 Papier großen Sitzplatz 
wiederfinden 













Am Abgrund entlang mit Allrad und starken Nerven 



Aufstieg mit Teebeutel-Flash 

Teebeutel-Flash 

Das kleine Dorf in dem wir uns einquartieren liegt auf 
2100m, etwas abseits der “Hauptstadt“ der Region. 
Hier gab es außer unserem Gästehaus, ein paar 
Einheimischen, Kühen und riesigen Hunden, nichts- 
also genau das Richtige für uns! An unserem zweiten 
Tag haben wir hier unseren ersten Gipfel bestiegen, 
während des Aufstiegs ist uns immer wieder der Duft 
Unmengen frischer Kräuter in die Nase gestiegen. So 
etwas habe ich in freier Natur noch nie gerochen! Vgl.: 
Das war ungefähr so, ais hätten wir unsere Nasen in 
jeweils 10 Teebeutel gesteckt! 

Ush wie schrecklich 

Nach 3 Tagen wieder heil unten angekommen, ging es 
weiter über Kutaisi in die Region Swaneti (Swanetien). 
Wir wollten mehr Natur und einen höheren Gipfel. Der 
Mount Ushba (4737m) kostete uns unsere letzten 
Kräfte (georg. “Ush“=schrecklich, “Ba“=Berg), aber wir 
haben es nach über 1000hm bis zum Gletscherbeginn 
geschafft! Wow, was für ein Feeling, ein Ausblick wie 
wir ihn bisher nur von Bildern kannten! Hier sehen wir 
was wirklich BIO ist und wie groß ein ECHTES 
freilaufendes Huhn werden kann, wenn man es in 
seiner natürlichen Umgebung lässt (bevor es auf dem 
Grill landet). 



Malerischer Ausblick zum Gletscher 



On top of the world 

Bedingungslose authentische 1300km 

Wir waren knappe drei Wochen in diesem tollen Land 
unterwegs, haben starke 1300km über Land gemacht 
und sind einmal von Osten Richtung Westen gereist, 
bevor Achalziche unser letzter Stop vorder 
armenischen Grenze war. Auch wenn wir von den 
Unmengen georgischen Brot erstmal genug haben, 
wird uns Georgien definitiv durch seine 
bedingungslose, authentische Gastfreundschaft und 
malerische Natur in Erinnerung bleiben. Wir werden 
sicher wieder kommen! 






2go Georgien 












Heiß und fettig, ein Sommer in Armenien 

August 11,2018 



Der große Übergang 

5 Uhr morgens, der Wecker klingelt. Wirquälen uns 
aus dem Bett und machen uns auf in Richtung 
Marschrutka. Wie immer wird der Mini-Bus bis auf den 
letzten Platz voligequetscht, sodass sogar das Atmen 
schwer fällt. Los geht’s Richtung Armenien! 



Das Fahrzeug für alle Fälle-die Marschrutka 
Die Straße dorthin ist das wohl schrecklichste Stück 
Schlaglochpiste, das wir je gesehen haben. Man hat 
den Eindruck, dass Georgien es den Reisenden 
möglichst schwer machen möchte nach Armenien zu 
kommen, so als würde dort nichts Besonderes auf 
einen warten. Ais wir endlich an der Grenze 
angekommen sind, bibbern und frieren wir. Der 
Abschnitt liegt auf einem Flochplateau und trotz 
Sommer ist es hier erstaunlich kalt. Nachdem wir 
unsere letzten Lari umgetauscht haben geht es weiter, 
aber wie so typisch in der wunderbaren Weit der 
Marschrutkas nicht ganz ohne Pannen. Und Panne ist 
hier im wörtlichen Sinn gemeint. Unsere Marschrutka 


bleibt liegen, nichts geht mehr! Wir bleiben mitten in 
einem Dorf stehen, der MotorspucktÖl und will 
einfach nicht mehr anspringen - und das kurz vor 
unserem Ziel. Aberdie Fahrer hier scheinen 
nebenberuflich Mechaniker zu sein und mit etwas 
Rütteln und Schrauben geht es dann doch 
irgendwann weiter. Armenien zeigt sich dann schnell 
anders als Georgien; viel trockner, weniger Vegetation. 
Wir befinden uns schon im Übergangzu den Steppen 
und Wüsten des Mittleren Ostens. 



Landschaft zwischen Gyumri und Yerevan 



Ihr dachtet, die Sache mit der “Flolzklasse“ ist nur so 
ein Spruch? Dann schaut euch das an. 

In Deutschland ist es heiß? Dann besucht erstmal 
Yerevan! 

Ein paarTage später kommen wir in der Hauptstadt 
an, Yerevan. Hier verkriechen wir uns tagsüber wie 
Flöhlenmenschen in unserem Zimmer. Das nicht nur, 
weil es draußen 40 Grad hat und unerträglich heiß ist, 
sondern auch weil Leni sich den Magen verdorben hat 































und mit Fieber im Bett liegt. Yerevan fühlt sich ein 
wenig so an, als wäre man in der alten Sowjetunion. 
Die Architektur ist stark vom alten Sowjetstil geprägt 
(nein, wirklich nichtsehrschön) und Russisch istquasi 
zweite Amtssprache. Die (von Soviets gestalteten) 
Kaskaden hoch gesprintet auf das Dach Yerevans, hat 
man an klaren Tagen einen guten Blick auf den Berg 
Ararat. Der heiligsten Berg der Armenier, von dem sie 
glauben, dass dort Noah mit seiner Arche gelandet ist. 
Die Armenier sagen, dass der Ararat ihnen gehört und 
sie ihn eigentlich nur an die Türkei ausgeliehen haben. 
Trotzdem ist es für sie eine Odyssee, dem Berg einen 
Besuch abzustatten. Ein direkter Grenzübertritt ist 
nicht möglich, so dass man als Armenierdafüreinen 
Umweg von über 100 km auf sich nehmen muss. Die 
Beziehungen zurTürkei sind immer noch stark 
belastet, weil diese bis heute die Verbrechen am 
armenischen Volk leugnet und derlei Schikanen 
prägen das Miteinander bis heute. 



Die Kaskaden von Yerevan 

Du bist auf Diät? Dann mach einen großen Bogen 
um Armenien! 

Sprechen wir über armenisches Essen: Es ist fettig, 
sehr fettig und sehr fleischlastig. Zum Frühstück gibt 
es vorzugsweise Spiegelei mit einem halben Kilo 
geschnittener und gebratener Lyonerwurst. 

Knoblauch ist praktisch in jedem Fleischgericht 
enthalten, und so heißt es entweder: Beide essen 
Fleisch odereinervon uns muss mit einer 
Wäscheklammer auf der Nase schlafen. Lavash, ein 
dünn gebackenes, fast meterlang zusammengefaltetes 
Brot ist überall zu haben und ergibt zusammen mit 
Schafskäse einen schnellen Mittagssnack von der 


Fland. Ansonsten ist es hier ähnlich wie in Georgien, es 
gibt Wein und viele Menschen versorgen sich über 
Eigenanbau im eigenen Garten selbst mit Obst und 
Gemüse. Nachdem wirschon in Georgien einen 
ordentlichen Anteil Weißbrot hatten, sehnen wir uns in 
Armenien doch so langsam zu unserem guten alten 
Vollkornbrot zurück. Vollkorn made in Germany rules! 



Lavash (dünnes Brot) gefüllt mit Fleisch, frischen 
Kräutern und nicht zu wenig Zwiebeln 
Geburtsort des Christentums 

Armenien ist ein zutiefst christliches Land. Schon vor 
über 1.700 Jahren hat man dort das Christentum zur 
Staatsreligion gemacht, so früh wie in keinem anderen 
Land der Welt. Die Armenier sind sichtlich stolz auf 
diese lange Tradition und sagen über ihr eigenes Land, 
dass wenn man diesem den christlichen Glauben 
nähme, würde nichts mehr übrig bleiben. Die Klöster 
sind zum Teil uralt und versprühen einen besonderen 
Charme. Zwar sind die Anlagen oftdurch inländische 
Touristen belagert, von denen jeder das schönste 
Selfie von sich schießen möchte, dennoch kann man 
spüren, dass derGlaube noch immer stark und intakt 
ist. 













1.000 Jahre alte Gruft (ob in den Gräbern noch 
menschliche Überreste sind?) 

Per Anhalter durch Armenien 

Zum ersten Mai auf unserer Reise trampen wir, und 
was wir dabei erleben, ist wirklich aufregend. Zunächst 
zieht derVerkehrzäh an uns vorbei und die Autofahrer 
winken nur ab, irgendwann aber halten zwei Mädels 
aus Bologna, Ciao! Das Auto ist eigentlich voll, aber 
nach etwas Umschichten und Quetschen passen wir 
irgendwie samt unseren Rucksäcken auf die Rückbank 
des kleinen Flitzers und schon geht’s ios. Wie sich 
herausstellt sind die beiden Italienerinnen gerade mit 
dem Auto fürzwei Wochen in Georgien und Armenien 
unterwegs. 120 km weiter verabschieden wir uns von 
den beiden und möchten mit den “Wings ofTatev“, 
der längsten Seilbahn der Weit, rüber zum Kloster 
“fliegen“. Wir haben Pech, denn die nächsten Tickets 
gibt es erst wieder in 3 Stunden, also beschließen wir, 
doch einfach dorthin weiterzu trampen. In Summe 
sind wir an diesem Tag in 4 verschiedenen Autos 
mitgefahren und haben sehr interessante Menschen 
kennengeiernt! 



Anhalten, bitte! AbenteuerTrampen in Armenien 
Lohnt sich die Reise nach Armenien? 

Bevor wir nach Armenien kommen, hören wir von der 
großen Gastfreundschaft dieses Volkes. Leider sind wir 
aber lange auf der Suche nach derselben, bis wir bei 
vereinzelten netten Begegnungen eine Vorstellung 
davon bekommen, was gemeint ist. Zum ersten Mal 
sind wir nicht nur Fremde, sondern fühlen uns auch 
so. Wir werden weder mit offenen Armen empfangen, 
noch scheinen die Armenier ein besonderes Interesse 
an uns zu haben. Dieser Eindruck steht im deutlichen 
Kontrast zu unseren Erfahrungen in Georgien und zum 
ersten Mai auf unserer Reise fäiit uns der Abschied 
nicht schwer. Wir wollen Armenien und seinen 
Menschen kein Unrecht antun, letztend lieh sind die 
Erfahrungen auf einer Reise immer sehr subjektiv. 
Vielleicht war die Stimmung in der Gesellschaft auch 
noch etwas angespannt nach den politischen 
Unruhen zu Beginn des Sommers. Trotz aiiem, haben 
wir einen recht guten Eindruck von Armenien 
bekommen und können festhaiten, dass es einen 
großen Unterschied zwischen der Flauptstadt und 
dem Rest des Landes gibt, der sehr ländlich geprägt 
ist. Wie jede Reise hat sich für uns auch diese gelohnt, 
für ein Wiedersehen ist der Funke leider nicht 
übergesprungen. In diesem Sinne heißt es für uns 
erstmal “Ciao Armeniai“. 






Salam! Backpacking durch Iran 

August 28,2018 



Terroristen, Atomwaffen und sonstige Gefahren 

Knapp 10.000 km sind wir schon über Land gereist 
und dann war es irgendwann soweit-wir gehen in 
den Iran. Iran hat ein schlechtes Image. Mit wem auch 
immer wir überdas Land sprechen, heißt es stets: 

Passt auf euch auf! Iran ist gefährlich! Dort leben doch 
so viele Extremisten? Zu guter letzt ist das Land im 
Frühling wieder in die Schlagzeilen geraten, als Donald 
Trump den Ausstieg der USA aus dem 
Atomabkommen mit Iran verkündet hat. Das alles hat 
uns natürlich in Gedanken begleitet, als wir eines 
morgens Anfang August zur Grenze nach Iran 
aufgebrochen sind. Angst hatten wir nicht, viel mehr 
waren es die Unsicherheit, wie das Land und die 
Menschen dort tatsächlich sind und was uns erwarten 
wird, die nervös gemacht haben. Die letzten Meter zur 
Grenze waren deshalb auch ein echter Nervenkitzel. 
Treffen wir gerade eine unüberlegte Entscheidung? 
Werden wir uns unwohl fühlen? Wie werden die Iraner 
auf uns Ausländer reagieren? Und ist die Sittenwache 
dort wirklich so streng und radikal wie man hört? 

Nach einem Monatquerdurch das Land können wir 
sagen: Iran birgt tatsächlich mehrere Gefahren. 

1.) Von den Menschen überrascht zu werden: Noch 
nirgends wurden wir so mit offenen Armen empfangen 
und noch nirgends waren die Menschen so herzlich zu 
uns wie in Iran. Teilweise jubelten uns Leute auf der 
Straße schon fast hinterher. 



Mister, can I help you? Gastfreundschaft auf Persisch 
2.) Von der Natur überwältigt werden: Ja, Iran im 
Sommer ist ein Glutofen, aber das Land besteht nicht 
nur aus brennenden Wüsten, sondern ist extrem 
vielfältig. Von den üppig grünen Wäldern im Norden 
am Kaspischen Meer, zu den Wüsten in Zentral- und 
Ostiran mit seinen idyllischen Oasendörfern, bis zu 
unbeschreiblichen anderen Orten, die wir nicht 
verraten möchten, Iran ist ein Naturerlebnis. Und ein 
Land der Berge. Diese sehen einfach nur fantastisch 
aus und sind mit Worten nicht zu beschreiben. 
Schwarz, weiss, rot, grau gefärbt und in so seltsamer 
Weise aufgeschichtet und aufgetürmt, dass es aus der 
Entfernung wie eine 3D Computeranimation aussieht 
- unglaublich. 



Wüste gibt’s in Iran viel! 



































Unglaubliche Gesteinswelt 

3.) Islamische Architektur kennenlernen, die 

begeistert: Iran beherbergt einige der wohl schönsten 

Moscheen der Weit, die wie aus 1000 und 1 Nacht 

anmuten. 



Masjid-e Shah in Esfahan 

4.) Nicht mehr gehen zu wollen: Iran ist völlig anders 
ais das mediale Bild bei uns zu Hause transportiert. 
Wir haben uns von Anfang an wohi gefühlt und unsere 
vielleicht unterbewusst vorhandenen Sorgen sehr 
schnell abgelegt. Iran ist außerdem ein sehr sicheres 
Land mit unglaublich freundlichen und herzlichen 
Menschen, die nur darauf warten, der Weit zu zeigen, 
wie ihr Land tatsächlich ist. Die persische Kultur ist 
jahrtausende alt und einen Teil davon zu erleben eine 
große Bereicherung. 



Nicht zu vergessen, das Essen! 

Zwischen Tradition und Moderne - Liberale vs. 
Religiöse 

Nach einem Monat in dem Land haben wirdas Gefühl, 
einen guten Eindruck in die doch tief gespaltene 
Gesellschaft bekommen zu haben. Die 
Auseinandersetzungen zwischen Konservative und 
Liberale, stellt uns vor große Fragezeichen bezüglich 
der Zukunft des Landes. Oft hatten wirdas Gefühl, 
dass die Menschen gehemmt sind durch die 
moralischen Zwänge, die ihnen durch die Muiiahs 
auferiegt werden, dass es eigentlich gegen ihre Natur 
geht, sich diesen Vorschriften zu unterwerfen. 
Gleichzeitig sind in vielen Städten Frauen im 
schwarzen Schieier, dem Tschador, der Ausdruck 
besonderer Frömmigkeit ist, nach wie vor häufig 
anzutreffen. Es fällt schwer nach wenigen Wochen ein 
Fazit zu ziehen, auch wenn wir zahlreiche, erstaunlich 
offene politische Gespräche mit Einheimischen 
geführt haben. Die Zukunft wird sicherauch sehr stark 
davon abhängen, inwieweit sich das Verhältnis zu den 
USA verbessert. Unter Präsident Trump ist damit nicht 
zu rechnen und so leiden die Menschen momentan 
unter den harten Sanktionen. 

Multiethnische Gesellschaft mit Lebensweisen wie 
vor 500 Jahren 

Auch wenn wir selbst keine Begegnung mit ihnen 
hatten, gibt es sie doch noch immer: Nomaden. Bis 
heute gehen ca. 2 Millionen Iraner dieser traditionellen 
Lebensweise nach und ziehen mit ihrem Vieh durch 
das Land. Aberauch so haben wireinen Eindruck von 
der großen ethnischen Vielfalt bekommen. Von den 
Azeris im Norden bis zu den Arabern am Golf, in 






beinahe jeder Stadt haben die Menschen ein anderes das nur schwer zu ergründen ist, aber definitiv 
Erscheinungsbild. Und so ist Iran ein riesiges Puzzle, besucht werden sollte! 



Grenzerfahrung Pakistan 

September 26,2018 



Reisedauer: 3,5 Wochen 

Intensität und Gefühlserleben: extrem.stark 

Erfahrungsausmaß: extrem.schön. 

Erster Kulturschock in Karachi 

Wo soll ich anfangen? Am Besten dort, wo unsere 
Reise in Pakistan begonnen hat, Karachi. Offizielle 
Einwohnerzahl: 14,9 Millionen, somit eine der größten 
Städte der Welt! 

UnserTaxifahrer kämpft sich durch das Verkehrschaos, 
die Rikschahs und die vielen Menschen auf der Straße 
und bringt uns zu einer Unterkunft, die wir in einem 
der wenigen Backpacker-Blogs weiche es bisher zu 
Pakistan gibt, gefunden haben. Was uns erwartet 
wissen wir bisher nicht und können es nur erahnen, 
ais er uns in einer Seitenstraße mitten im Chaos eines 
riesigen Eiektromarktes, und einersehr konservativ¬ 
sunnitisch geprägten Gegend, rausschmeißt. 



Chaos im Viertel des Eiektromarktes 
Verschluckt vom energetischen Sog 

Der Lärm ist ohrenbetäubend, in der Luft liegt eine 
schwere Mischung aus Abgasen, Garküchen, Fäkalien 
und Gewürzen. Es haut mich fast um! Auf den Straßen 


sehe ich fast ausschließlich Männer und wirsind in 
Windeseile der Blickfang! Um den unangenehmen 
Blicken etwas entgegenzuwirken ist das Kopftuch 
schneller wieder auf ais es mir lieb ist. Es fäiit schwer, 
die Lage in den ersten Momenten hiereinschätzen zu 
können. Irgendwie will sich das gute Bauchgefühl 
einfach nicht einstellen, aber vielleicht dauert es 
dieses mal einfach länger, hier wo alles so extrem 
anders ist? Vom Chaos, den unendlich vielen 
Sinneseindrücken und dem Schiafmangel durch die 
Anreise aus Iran, sind wir völlig überladen, so dass wir 
den unterirdischen Zustand unseres Zimmers erst 
hinterher so richtig wahrnehmen. Da das Bett so gar 
nicht einladend aussieht, zieht es und erst Recht raus 
in’s Geschehen. Ganz plötzlich reist uns das Chaos 
auch schon ungefragt in seinen Sog, um uns für die 
nächsten Stunden zu verschlucken. 

Barfuß auf dem “Schlachtfeld“, ab in’s 
Krankenhaus 

Auf den Straßen sehe ich zum ersten mal 
schwerbewaffnetes Militär iive, die 
Wohlfühlatmosphäre bleibt also weiterhin aus. Wir 
erkunden den lokalen Marktauf dem es zugeht wie im 
Zirkus. Fleischer sitzen barfuß auf dem “Schlachtfeld“, 
Mangos und Gemüse sind übersäht von 
abertausenden Fliegen, so etwas habe ich noch nie 
gesehen! Irgendwann spuckt uns der energetische Sog 
am Abend dann plötzlich wiederaus und wirsind 
völlig k.o.. Es folgt eine grausame Nacht, die uns am 
nächsten Tag in’s Krankenhaus zwingt. Da warwohi 
was am Essen schlecht, und das obwohl wir das 
freundliche Angebot des Fleischers abgelehnt und der 
köstlichen Mango widerstanden haben. Die 
medizinische Versorgung im Krankenhaus war 
jedenfalls top, zumindest so lange man nicht mit 
deutschen Standarts vergleicht. Nach acht Stunden 
kam die Infusionsnadel ab und Philipp ging es endlich 
wieder gut. Unser Start war also unglücklicherweise 
leider sehr rauh und eine echte FHärteprobe! 





Barfuß auf dem “Schlachtfeld“ 

Im Norden weht ein anderer Wind 

Durch unseren Entschluss, möglichst zügig raus aus 
den großen Städten und das Weite im Norden zu 
suchen, hat sich das Blattdann doch nochmal 
gewendet! Nicht nur bei Nacht, als der riesige 
Gletscher des Rakaposhi seinen eisigen Wind in unser 
Zelt trägt, auch in der Kultur, die sehr herzlich und viel 
entspannter ist, weht ein anderer Wind. Das Essen ist 
hier oben sehr einfach und frisch! Je nach Gebiet 
werden die sehr traditionell gekleideten Frauen zwar 
von ihren Männern fern der Öffentlichkeit gehalten, 
aber die allgemeine Haltung ist hier oben in der Natur 
spürbar entspannter. Als Touristin kann ich mich hier 
problemlos und frei, ohne Kopftuch, bewegen und da 
kommt dann auch endlich das gute Bauchgefühl! 



Unendliche Freiheit und gutes Bauchgefühl 

Wände und Relationen 

Wirsind in der Region Gilgit-Baltistan, sehen hierdas 
höchste Gebirge der Welt den Karakorum und erleben 
die erbarmungslose Gewalt der Berge am eigenen 
Leib, als wir vom Muskelkater geplagt einen langen 
Abstieg vom Rakaposhi Basecamp zurücklegen. Die 


riesigen Berge sind wie Wände und verändern 
Relationen in meinem Kopf, als ich in Hunza aus 
unserem Zimmer stolpere und gleich drei 7000er sehe, 
die dort ganz selbstverständlich nebeneinander 
ruhen, einfach so! Einige Tage spätersehen wir dann 
einen echten Giganten, unseren ersten 8000er. Er ist 
einer der höchsten Berge der Erde und misst stolze 
8126m, der Nanga Parbat. Der Norden Pakistans 
vereint gleich drei gigantische Gebirge: Karakorum, 
Himalaya und Hindukusch, das gibt es so kein zweites 
Mal und ist ein einmaliger Anblick. Für alle Bergsteiger, 
Trekker oder reisende Naturliebhaber wie uns, denen 
es an vernünftiger Ausrüstung mangelt, ein Wahnsinns 
Erlebnis. 



on top ofthe world 

Am Ende Wehmut auf der Seidenstraße 

Als ich morgens in Passu, ganz nah an der Grenze zu 
China, auf der Seidenstrasse stehe und wir uns per 
Anhalterauf den Rückweg machen um Pakistan nach 
starken drei Wochen zu verlassen, werde ich fast etwas 
wehmütig. Ende gut alles gut! 



Seidenstraße kurz vor der Grenze zu China 









Thailand mit und ohne Tourismus 

November 6,2018 



Erste echte Auszeit 

In Thailand gönnen wir uns unsere erste richtige 
Reisepause, die wir nach den letzten Monaten 
dringend nötig haben. Wirerhoien uns in einem 
kleinen familiären, noch relativ unüberlaufenen Hotei, 
dass wir von unserer ersten Thaiiandreise 2015, ais wir 
noch Reisefrischiinge waren, kennen. Zum ersten Mai 
auf unserer Reise kehrt wirklich Routine ein und jeder 
Tag läuft gleich ab: eat-sleep-read-repeat und 
natürlich endlich schwimmen im Meer! Nachdem die 
Akkus wieder voii sind können wir es kaum erwarten! 
Genug gechillt! Wir wollen weiter! 

Zwischendurch ist auch mal etwas Kritik von Nöten 
Zum ersten Mal finden wir uns in Situationen wieder in 
denen wirvom vielen Tourismus rund um die 
bekannten Inseln und Großstädte Thailands genervt 
sind. In unseren vergangenen Ländern, waren wir 
praktisch immer die einzigen Touris. Die Thais 
scheinen vielerorts oft übersättigt vom vielen 
Tourismus, worunter die Authentizität schwer leidet. 
Außerdem scheint die Kochkunst vieler Regionen in 
den letzten Jahren schwer gelitten zu haben. Hiife! bis 
dato war in doch ein echter Fan vom thailändischen 
Essen. Wir können zuschauen wie in jedem Pad Thai 
und in jeder einst so köstlichen Nudelsuppe 
mindestens zwei Esslöffel Zucker landen, auf den 
Tischen findet man zum Nachwürzen kein Saiz und 
Pfeffer mehr, sondern das Zuckergias. Alles schmeckt 
süß und so ersetzen wir das bisherige “no spicy 
please“ durch “no sugar please!“. Manchmal klappt es, 
oft müssen wir uns aber einfach mit dieser 
Neuinterpretation der Thailändischen Küche 


abfinden. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass es 
Thailand auch noch “in authentisch“, quasi ohne 
Touris und Zucker, geben muss! Und so machen wir 
uns auf ins Unbekannte... 



Die Nudelsuppe ohne Zucker ein echter Genuss 
Die einzigen Langnasen am See 

Auch der Nordwesten des Landes ist touristisch gut 
erschlossen. Immer mai wieder kommen uns ein paar 
Touris, mit den bekannten Schürfwunden, die wohl 
dem Reifenprofil derScooter kombiniert mit leichter 
Selbstüberschätzung geschuldet sind, entgegen. 

Wir sind selbst mehrere Tage mit dem Roller 
unterwegs und legen endlose Strecken auf einfachen 
Straßen gesäumt von Reisfeldern und 
Bananenplantagen zurück. Unser Zeit schlagen wir an 
einem wunderschönen See auf, den wir nach einer 
irren Passstrecke in der Abenddämmerung erreichen. 
Wirschaffen es geradeso, unser Zelt aufzubauen, 
bevor es mal wieder anfängt zu regnen. Egal, die 
Aussicht und die Stimmung entschuldigen die Nässe 
um und im Zeit. Auf dem Platz rund um den See sehen 
wirzwarauch wiederviele inländische Touristen, aber 
die einzigen Langnasen sind wir. Wir sind nur rund 
20km von der Grenze zu Myanmar entfernt, können 
hier jedoch leider keinen Besuch abstatten, da die 
Landesgrenze dicht ist. 










Trotz Regen toller Spot am See 

Isan Love 


In der Region Isan, dem Nordosten des Landes, finden 
wirendlich was wirsuchen! Hier scheint Thailand über 
weite Strecken noch wirklich unberührt. Am Ufer des 
Mekong verbringen wir die schönsten Tage unserer 
Thaiiandreise. Der Fiuss gehört mit seiner Länge von 
circa 4350km zu den zwölf längsten Flüssen der Erde 
und zieht mich durch seine Unberührtheit sofort in 
seinen Bann. Wenn wir abends am Ufer stehen und 
den wunderschönen Sonnenuntergang mit zwei 
Chang, alternativ Leo, genießen, sehen wir 
gegenüberliegend Laos. Wir lernen also ein weiteres 
Grenzgebiet kennen. Hier scheint es, ais würde sich 


die thailändische Kultur im Übergang zur laotischen 
befinden. Entspannt, entschleunigt, ruhig. 



Mekong 

Resümee: In Thailand wird man enttäuscht, wenn 
man auf der Suche nach echter Kultur die weit 
bekannten Ziele ansteuert, jedoch umso mehr 
belohnt, wenn man sich die Mühe macht, abseits der 
Pfade auf die Suche zu gehen. 



Abseits bekannter Pfade 


















Behind the scenes oder auch Weltreise ungeschminkt 

November 29,2018 



Momente in denen man sich mal kurz nach Hause 

wünscht 

1) Kranksein 

Ich sitze in unserem kleinen Zimmer auf der Couch mit 
dem grünen Polster, wo ich es mir gerade so bequem 
machen kann. Immerwieder werfe ich einen Blick auf 
unser Bett, wo Phips immer noch liegt. Ziemlich 
ungewöhnlich für ihn, es ist mittlerweile 13:30 Uhr. 
Dass er heute nicht raus kommt liegt leider nicht 
daran, dass es gestern spät wurde oder das Bett so 
einladend ist (trotz hochwertiger Unterkunft für 
indische Verhältnisse, verdammt unbequem!). Nein! 

Da war es mal wieder: das Essen. Mein erster Gang 
nach einem schnellen Frühstück, das ich heute leider 
alleine einnehme, führt mich also zu der nächst 
besten Apotheke. Draußen erwartet mich der 
gewöhnliche Indische-Städte-AlItag. Es ist laut, 
dreckig und das gewöhnliche Chaos ist bereits in 
vollem Gange. Zwischen hupenden Tuk-Tuks, 
egoistischen Autofahrern und Garküchen, die ihre 
unverwechselbaren Gerüche verbreiten, mache ich 
mich auf die Suche. Nicht die Nerven verlieren! 

Einfach Ausblenden! So ist es hier halt! Hauptsache 
irgendwo ist eine Apotheke, oder so was ähnliches! 
Direkt an der Straße finde ich einen kleinen Drugstore, 
wo ich dem netten Inder, der kaum Englisch spricht, 
irgendwie erkläre, was ich brauche. Zurück in der 
Krankenhöhle lese ich erstmal nach, was da jetzt 
eigentlich so schnell über den Ladentisch in meiner 
Tasche gelandet ist. Antibiotika, natürlich! Der Rest für 
die aktuelle Symptomatik eigentlich völlig 
unbrauchbar. Und jetzt? Mal wieder sind wirauf uns 


allein gestellt, müssen selbst die richtige Entscheidung 
treffen uns in Gelassenheit üben und darauf vertrauen 
das Richtige zu tun. Alles wird gut! 



Krankenhausaufenthalt in Karachi 
2) Ausblenden geht und darf nicht immer 

Wir haben in den letzten Monaten für die jeweilige Zeit 
viele ungewöhnliche klimatische Gegebenheiten so 
deutlich erlebt, dass uns schnell klar war: Das ist 
Klimawandel! Plötzliche Überflutung durch Starkregen 
(längst nach Ende der Regenzeit) in Amritsar, 
Hochwasser und Sturm in Südindien durch einen 
Zyklon in Sri Lanka, Starkregen in Thailand, brütende 
Hitze mit Rekordzahlen in Teheran, heißester Sommer 
in Yerewan, leere Salzwasserseen in der Wüste Lut in 
Iran, schmelzende Gletscher in Pakistan. Hier hört für 
uns das Ausblenden auf! Zu Hause war das oft noch 
diffus, wir hören ständig davon, und was folgt? Zum 
ersten Mal hören wir nicht nur davon, wir können es 
sehen und spüren, sind also live dabei! Für uns stellt 
sich die Frage: Was machen wir aus dieser Erfahrung 
und wieviel ist unsere Erde uns wert? 













3) Plastic everywhere 

Für mich immer wieder besonders schlimm und oft 
schwer mit den überwiegend positiven Erfahrungen 
vereinbar: Überall dieser Müll! Wunderschöne 
Landteile die touristisch so gut wie unerschlossen sind 
plus Müll. Felder ohne eine Menschenseele plus Müll. 
Bekannte Sehenswürdigkeiten plus Müll. Kleine Städte 
und Dörfer, deren Straßengräben voll mit Müll sind. 
Meere, Seen und Flüsse auf denen ganze Seen von 
Plastikmüll schwimmen. Traumstrände in Goa, 
wunderschön und einzigartig, die den Titel 
Traumstrand mehr als verdient hätten, wäre da nicht 
der Müll. Tiere, heilige Kühe, die sich vom am 
Straßenrand entsorgten Hausmüll ernähren. Sinnlose 
Dreifachverpackungen, für jedes Getränk einen 
Strohhalm, für jede Banane eine Tüte. Etliche 
Zugfahrten, wo die Natur als große Mülleimer dient. 
Essensverpackungen, Plastikbesteck und 
Plastikflaschen werden ungeniert nach Gebrauch aus 
dem Fenster geworfen. Und besonders hier merke ich 
was mir besonders zu schaffen macht. Es ist die 
Haltung der Menschen die sie verkörpern und die 
Tatsache dass sie oft ein Kind an der Hand haben, das 
mit großen Augen zuschaut wie es geht. Ungeniert, 
unwissend, egoistisch, stumpf. Völlig unbekümmert, 
wenn ich sie währenddessen kopfschüttelnd 
beobachte, lachend wenn ich sie darauf anspreche. 
Hinzu kommt der unendliche und unüberlegt Konsum 
von Plastik weltweit! 



Müll und übler Gestank, Brahmaputra Indien 
Immer wieder diskutieren wir: Wo tragen wir selbst 
dazu bei? Welche Rolle spielt der Tourismus und die 
Bildung in den einzelnen Ländern? Was ist Teil der 
Kultur? Wie schaffen wir es uns uns wieder davon zu 
distanzieren ohne egoistisch zu sein? Und am 
Wichtigsten: 

WAS KÖNNEN WIR SELBST VERÄNDERN UND 
BESSER MACHEN? 



Als ich mit dem Schreiben dieses Eintrags fertig bin, 
fällt mir ein, was ich total vergessen habe. Die 
Herausforderungen während unendlich langen 
Zugfahrten, beispielsweise in der klassisch indischen 
Sleeperclass und das fast tägliche Verlassen der 
eigenen Comfortzone, wenn es um die Hygiene der 
Essenszubereitung, des Bettbezuges oder der 
Toiletten geht. 

Okay, genug! Das wäre dann wohl ein weiterer Eintrag 
für sich... 








Zugfahren in Indien, unendliche Distanzen 






Halbzeit & Happy New Year 

December31,2018 



Wirschließen das alte Jahrab und begrüßen das 
Neue. Wir kommen nicht ganz hinterher, ist tatsächlich 
schon Halbzeit unserer Reise? Neee? Wie? Was war 
das für ein Jahr? Besonders in den letzten Monaten 
vor unserer Abreise haben wir oft in den 
Vorbereitungen gesteckt, wollten gleichzeitig unseren 
verbleibenden Alltag weiterhin genießen und waren 
parallel mit dem Kopf oft schon irgendwo unterwegs. 
Dann hatten wir ein wunderschönes Abschiedsfest mit 
all unseren Liebsten und nach einem schweren 
Abschied ging es plötzlich los. Wir lassen unser 
Zuhause für ein Jahr zurück und machen uns, jeder 
mit einem viel zu schweren Rucksack bepackt, auf ins 
Unbekannte. Russland, Georgien, Armenien, Iran, 
Pakistan, Indien, Thailand, und Malaysia, wo wir 


besonders schöne Tage mit Besuch von Zuhause und 
einem kleinen zweiten schweren Abschied hatten, 
liegen bis heute hinter uns. Wow, was waren die 
letzten Monate aufregend, spannend, großartig, 
anstrengend, ernüchternd, aufreibend, waghalsig, 
lustig, überwältigend, lehrreich, befreit und einfach 
nur schön. Wirsind um unendlich viele Erfahrungen 
reicherund haben schon jetzt so viel Neues über die 
Welt, die Menschen und uns selbst gelernt. Wir sind 
gespannt, was das zweite Halbjahr für uns bereithält 
und begrüßen es voller Vorfreude. Wirwünschen all 
unseren Lieben einen guten und gesunden Start ins 
Jahr 2019 und freuen uns schon jetzt auf unsere 
Wiedervereinigung mit euch! In diesem Sinne: HAPPY 


NEW YEAR!!! 



Happy New Year!!! 


















Per Anhalter durch Malaysia 

January 24,2019 



Abenteuer Trampen 

Es ist heiß, wie immer eigentlich in den letzten 6 
Monaten. Die beiden Rucksäcke die wir jeweils 
schleppen, ziehen an den Schultern und der Schweiß 
läuft. Trotzdem, es sind noch ein paar Kilometer, bis 
wir an der Straße sind, von wo aus wir ein Auto 
Richtung Malaysia erwischen wollen. Ausnahmsweise 
sind wir nicht zu Zweit, sondern haben uns für unser 
erstes Tagesziel mit Jojo, den wir bereits in Iran und 
Pakistan getroffen haben, verabredet. 

Jetzt stehen wir also zu Dritt an dieser Ausfallstraße, 
irgendwo am Rande einer Großstadt in Südthailand 
und haben keine Ahnung, wie es laufen wird. Das 
Trampen, aber auch die Reise durch Malaysia. 
Ursprünglich hatten wir das Land gar nicht auf unserer 
Route und auch als wir an der Straße stehen und die 
Daumen rausstrecken, ahnen wir noch nicht, dass 
Malaysia ein echtes Highlight für uns werden wird. Es 
wird am Ende sogar das erste Land sein, das wir 
ausschließlich per Anhalter bereisen. Aber eins nach 
dem anderen... 



Wenn’s mal wieder länger dauert.. .such’ dir besser 
einen Schattenplatz! 


Zu Fuß über die Grenze 

Nach einigem Warten haben wir es geschafft und es 
findet sich jemand, der 3 Personen + 5 Rucksäcke 
mitnimmt. Wir überqueren die Grenze zu Fuß und sind 
ganz aus dem Häuschen. Das achte Land unserer 
Reise! Wieder ein neues Abenteuer! Wahnsinn! Wir 
haben an dem Tag aber noch mehr vor, also geht’s 
weiter mit dem Trampen. Irgendwie schaffen wir es, in 
einem Auto auf die Fähre rüber nach Penangzu 
kommen. Gerade noch rechtzeitig, denn gerade als wir 
uns mit Sack und Pack beim ersten Essensstand 
hinsetzen, fängt es an wie aus Kübeln zu regnen. Wir 
sind bestimmt seit 10 Stunden unterwegs, als wir 
durchnässt und völlig verschwitzt endlich im Hostel 
ankommen. Geschafft! 



Abendstimmung am PenangPier 

Multikulti Deluxe 

Schnell merken wir, wie Malaysia funktioniert. Es ist 
eine spannende Mischung aus Malaien, Chinesen und 
Indern. Dabei vermischen sich die Gruppen nur wenig, 
sodass die jeweiligen Kulturen prägnant bleiben. Mit 
am besten lernt man eine Kultur über ihr Essen 
kennen. Das Essen beim Inder ist authentisch, ebenso 
das chinesische. So fühlen wir uns wahlweise wie in 
Indien, China oder eben Malaysia. Toll! Wirsind aber 
auch fasziniert davon, wie gut das Zusammenleben 
hier funktioniert. Alles geht nebeneinander her und 
gehört doch irgendwie zusammen. Manchmal fragen 
wir in Gesprächen nach: „Where areyou from?“ Und 
egal ob es offensichtlich der Abstammung nach ein 
Inder oder Chinese ist, den wir fragen, die Antwort ist 
immerdieselbe: „l’m Malaysian.“ 





















Eastcoast vs. Westcoast 

Ostküste von Malaysia, Westküste von Malaysia-wo 
soll da der Unterschied sein? Es gibt einen und zwar 
einen recht großen sogar. Die Westküste mit den 
bekannten Reisezielen wie Meiaka oder Kuala Lumpur 
ist sehr multiethnisch, vor allem chinesisch geprägt. Es 
ist auch der liberalste und am weitesten entwickelte 
Landesteil. Wir denken uns: Malaysia muss noch mehr 
ais das sein. Schnell ist entschieden, dass wir 
unbedingt auch noch die unberührten Landesteiie 
kennenlernen möchten. Also, auf zur Ostküste und von 
dort dann bis zum südlichsten Punkt Malaysias! Und 
tatsächlich, der Unterschied ist greifbar. Hier 
dominiert die maiayische Kultur, der Islam ist stärker 
präsent. Wirsehen kaum andere Touristen und 
beginnen langsam ein Gefühl dafürzu bekommen, wie 
interessant dieses Land eigentlich ist. Wir kommen an 
wunderschöne Strände, die wir so hier nicht erwartet 
hätten, lernen viel über die malaysische Kultur und 
fühlen uns allgemein ganz einfach sehrwohi. 



Tolle Strände in Malaysia 

Menschen, die Malaysia außergewöhnlich machen 

Am allermeisten bleiben uns die freundlichen 
Menschen in Erinnerung, immer bereit zu helfen oder 
uns eine Mitfahrgelegenheit anzubieten, auch wenn 
vielen das Prinzip des Trampens gänzlich unbekannt 
war. Wir bekommen so viel Lächeln und so viel 
Positives geschenkt, dass wir mehr als froh darüber 
sind, Malaysia nicht nur als Zwischenstopp betrachtet 
zu haben. Am Ende bereisen wirdie Halbinsel einmal 
komplett per Anhalter, die Küsten entlang, inki. eines 
Stopps in Singapur und verbringen fast einen ganzen 
Monat in Malaysia. 



Einerdervielen Menschen, die Malaysia füruns 
unvergessliche gemacht haben 






Entscheidungen, die dank einer Münze getroffen werden, oder auch nicht 

February 24,2019 



Sumatra 

Wir haben lange hin und her überlegt, ob wir das 
Abenteuer Sumatra wagen wollen oder nicht. 
Eigentlich stand Indonesien ja gar nicht auf dem Plan, 
aber als wir mal wieder über der Karte hingen, kam 
Philipp plötzlich mit Sumatra um die Ecke. Sumatra? 
Aceh? Tsunami! 

Ich denke jeder erinnert sich noch an den furchtbaren 
Tsunami von 2004, dann erst letztes Jahr erneut 
mehrere schlimme Erdbeben die wieder mal 
Indonesien trafen. Kein Wunder, dass wir bei der 
Recherche erstmal auf eine Menge Reisewarnungen 
stoßen. Die Entscheidung zieht sich über Tage. In 
meinem Kopf spielen sich kurz mal Horrorszenarien 
von Erdbeben und riesigen Flutwellen ab. 

Und jetzt? 

Irgendwann reicht es uns mit der 
Entscheidungsfindung und wir werfen spontan eine 
Münze. Und was zeigt die Münze? Kein Sumatra! 

Hier wäre die logische Konsequenz jetzt eigentlich 
klar, aber wir hören mal wieder auf unser Bauchgefühl 
und entscheiden uns so fürSumatra und fürdas 
Abenteuer. Bei den Vorbereitungen finden wir nur sehr 
wenig brauchbare Infos zum Reisen auf Sumatra, was 
das Ganze für uns noch reizvoller macht. Wir ahnen 
schon, dass Sumatra wohl ziemlich wild ist. Unser 
Eindruck vorab formt sich nicht nurwegen der letzten 
wilden Orang Utans (die es sonst nur noch in Teilen 
Borneos zu sehen gibt), es soll neben einem riesen 
Dschungel auch aktive Vulkane und exotische Inseln 
mit riesigen Korallen geben. Also, los geht’s! 

Erste Nacht inklusive Einschlaflied und Wecker 


In Sumatras Hauptstadt angekommen erwartet uns 
erstmal ein kleiner Schock. Medan, Sumatras 


Hauptstadt, erinnert uns im ersten Moment an die ein 
oder andere indische oder pakistanische Stadt, die auf 
den ersten Blick einfach nur laut, dreckig und arm ist. 



Erste Stärkung in Medan, leckere lokale Spezialität 
Nach einer Nacht in einem kleinen einfachen Zimmer, 
direkt gegenüber einer Moschee, sind wir erstmal 
gerädert. Morgens um fünf, also mitten in der Nacht, 
weckt uns der Muezzin, achso und in den Schlaf 
gesungen hat er uns freundlicherweise auch. Da 
konnten selbst die Ohropax keine Abhilfe mehr leisten. 
Dauerbeschallung non stop! Also nichts wie weg hier 
und ab in die Natur. 



Erste Nacht in Medan gegenüber der Moschee 

Freilebende Orang Utans 

Nach einer langen Fahrt, auf weniger guten Straßen, 
harterVerhandlung mitder Busmafia und einem 
Fußmarsch zur Unterkunft über wackelige Brücken, 
kommen wirendlich im Dschungel an. Die 
Atmosphäre mitten im Dschungel, der Ausblick und 
der Wildwasserfluss direkt vor der Tür entschädigen 
uns sofort für den anstrengenden Reiseweg. 















Abkühlung nach Ankunft 

Beim Trekking durch den Dschungel wird uns vorab 
von Rain unserem Guide erzählt, dass wirzu einer 
ehemaligen Orang Utan Auswiiderungsstation 
wandern werden, wo wir mit etwas Glück die wilden 
Orang Utans sehen können. Nach langem Suchen ist 
es dann endlich soweit. Aus nächster Nähe schwingt 
sich ein gewaltiges Weibchen langsam und kraftvoll 
die Bäume runter, das lässt mir den Atem stocken und 
ich bewege mich keinen Zentimeter vom Fieck. Dazu 
gesellen sich drei weitere Orang Utans, unter ihnen 
sogar ein Junges. 



Moment des Staunens 

Leider wird unsere Freude zwischendurch etwas 
getrübt, als wir einen Guide beobachten, der einen der 
Affen aus der Hand füttert. Die einstausgewilderten 
Affen werden wie ich finde dadurch wieder vom 
Menschen abhängig gemacht und in ihrer natürlichen 
Lebensart einfach gestört. 

Vulkane und Geisterstädte 

Einen weiteren Stop legen wir am Fuße zweier Vulkane 
ein. Einer davon ist aktiv so dass rund herum 
Sperrgebiet ist. Im Sperrgebiet nahe des gewaltigen 
Vulkans besuchen wir eine Geisterstadt die seit dem 
letzten Ausbruch verlassen ist. 



Verlassenes Wohnzimmer 

Vereinzelt treffen wir auf ehemalige Dorfbewohner, die 
dort tagsüber in ihren verlassenen Häusern ihrem 
alten Leben nachhängen oder auf ihren Obstfeidern 
arbeiten. Wegen der vulkanischen Erde explodieren 
dort die Obstbäume und Gemüsefelder und wir 
können gar nicht genug von Saiak, Mangosteen und 
Papaya bekommen. Lange wollen wir hier oben 
allerdings dann doch nicht bleiben, da die 
Atmosphäre irgendwie etwas bedrückendes hat. 



Ausblick auf einen der Vulkane von unserem Dach 

Gibt es die Inseln vorne auf den Postkarten 
wirklich? 

Ich wollte schon immer mai herausfinden ob die 
Insein, die man von den Postkarten kennt, tatsächlich 
irgendwo auf der Weit existieren, oder ob das aiies nur 
Illusion ist. Und hier kommt die Auflösung: Es gibt sie 
wirklich! Noch nie habe ich so türkisfarbenes Wasser 
und eine so postkartenhafte Kulisse gesehen, wie auf 
den kleinen Inseln an der Westküste Sumatras. 

Hier haben wir uns wirklich wie Robinson Crusoe 
gefühlt, also Philipp auf jeden Faii. In einervon fünf 
einfachen Strand hütten mit minimaler Ausstattung, 
nur wenige Stunden Strom am Tag, völlig abhängig 
von Musa, der die Hütten in Schuss hielt und übrigens 
ein toller Koch war. Als wir morgens nach dem 
















Frühstück rechtsrum loslaufen kommen wir nach zwei 
Stunden linksrum wieder zurück und haben einmal 
die Insel umrundet. Puh, jetzt erstmal abkühlen im 
kristallklaren Wasser und dazu eine Kokosnuss vom 
Baum (sorry, aber war wirklich so!) und dann gibt es 
auch schon fast wieder Mittagessen...und wie jeden 
Tag, weich eine Überraschung! Fisch mit Reis. 



Robinson Crusoe 








Japan, das östlichste Land unserer Reise 

March 6,2019 



Big in Japan! 

Voller Spannung und Vorfreude ging es für uns von 
Sumatra nach Japan. Ein ganz schöner Cut und ein 
krasser kultureller Sprung! Nach einer langen Anreise 
und einem ersten Kälteschock stolpern wir kurz vor 
Mitternacht irgendwo in einer Seitenstraße mitten in 
Tokyo aus der Metrostation. Wir sind erstmai baff, ais 
wirdie Häuserwände nach oben schauen. Werbung 
und Reklame blinkt und leuchtet überall, dazu als 
Kontrast eine schwach beleuchtete Seitenstraße in der 
ein altes schickes Taxi steht und vergeblich aufseinen 
letzten Fahrgast wartet. Wir können es noch nicht so 
richtig glauben, wir sind tatsächlich in Japan! Big in 
Japan! 



erster Eindruck auf den Straßen Tokyos 
Bisauf ein paarwenige Japanerdiezu dieser Uhrzeit 
immer noch geschäftig wirkend aus der Metrostation 
laufen wirkt die Straße wie leer gefegt, es ist 
erstaunlich still. Wir hoffen dass uns das Hostei später 
noch die Türe öffnet, denn jetzt müssen wir erstmal 
essen! Wir setzten uns in das erstbeste kleine 


Restaurant das wir finden, um kurz darauf unser erstes 
japanisches Gericht zu genießen. Zur Begrüßung 
schreien uns die zwei Köche fast an und rattern eine 
Menge japanisch klingender Dinge runter. Sie wirken 
dabei freundlich, das ist alles was wir verstehen. Etwas 
belustigt von der lauten Begrüßung setzen wir uns 
also. Die Stühle und Tische fast in Miniaturformat. Der 
Koch reicht uns zwei warme kleine Handtücher, mit 
denen wir erst nichts anzufangen wissen und kurz 
darauf landen zwei köstliche Ramen Suppen 
dampfend auf unserem Tisch. Ganz einfach aber sehr 
edei und stilvoll angerichtet. Dazu gibt es heißen Sake, 
der Philipp später in einen tiefen Schlaf verhilft. Nach 
(erneut) lauter und ausgeprägter Verabschiedung 
machen wir uns lächelnd, glücklich und zufrieden auf 
die Suche unseres Hostels. Wir müssen nicht lange auf 
die Karte schauen, bis uns eine junge Japanerin 
anspricht und uns begleitet um uns den Weg zu 
zeigen, welchen sie später übrigens wieder komplett 
zurück läuft. Alle sind sehr freundlich und 
zuvorkommend! 



Ramen eines meiner Liebiingsgerichte 
Tokyo die größte Stadt der Welt 

Dafür dass Tokyo die größte Stadt der Welt ist, sind wir 
überrascht wie geordnet alles wirkt. Abgesehen von 
den Hauptverkehrsstraßen, einer berühmten 
Kreuzung wo mehrere tausend Fußgänger gleichzeitig 
grün haben, oder dem Electro-Market, wirkt vieles 
erstaunlich ruhig. Wir entdecken ruhige Gassen in 
denen sich lediglich ein paar E-Autos fast lautlos 
entlangschlängeln. Selbst in der Metro drückt oder 
drängeld niemand!? Keiner schert aus, alles steht bei 














rot und geht bei grün. Wirsehen kaum jemanden der 
mal etwas Abweichung von der geltenden Etikette 
zeigt. Bald schon merken wir, dass uns vieles etwas zu 
geordnet ist und uns die unendlich breite 
unausgesprochene Etikette stört. Tattoos sind 
verpönt, öffentliches Naseputzen und dezente 
Liebesbekundungen ein No-Go. Die Stäbchen nicht in 
den Reis stecken, sich selbst nicht nachschenken, 
nachts nicht pfeiffen, usw. 

Manga Girls und Tanzeinlagen 
Im Gegenzug zur Etikette entdecken wir die Künstler- 
und Modeszene Tokyos. Verrückte Manga Girls, junge 
Leute die hippe Cafes hochziehen, stylische 
Secondhandläden in denen tattoovierte Verkäufer 
arbeiten. Wirsehen einen Beatboxer auf einer 
Fußgängerbrücke der mit einem riesen Verstärker 
abgefahrene Sounds produziert. Ein älterer Mann 
tanzt wie unterStrom durch die Passanten. Eine 
Gruppe von Hip-Hoppern probtim Park eine 
Choreographie, bis ein uniformierter Wächter auf dem 
Fahrrad ankommt und ihnen den Saft abdreht. Die 
Jungs machen weiter! Hier begegnen uns vor allem 
junge Leute, die wie es scheint einen Versuch wagen, 
sich der größtenteils sehrangepassten und 
geordneten Gesellschaft zu widersetzen. Das gefällt 
uns! 



Manga Girl 

Per Anhalter ohne Standstreifen 

Wirverbringen knapp drei Wochen in Japan und 
bereisen weitere Städte. Alles fast ausschließlich per 
Anhalter und das auf Straßen wo quasi kein 
Standstreifen existiert. Wir machen Bekanntschaft mit 
netten Truck-Fahrern, verständigen uns beim Trampen 
mit Eländen und Füßen, schauen uns Kyotos Altstadt 
an, laufen nachts zum Mahnmal in Fliroshima, und 
reisen schließlich bis zur Westspitze Japans von wo 
aus wir mit der Fähre nach Südkorea übersetzen. 



Trampen hier besser mit Schild... 



...und Freude trotz Kälte 































Kolumbien - mehr als Guerilla, Escobar und Comuna 13 

May 2,2019 



Wir wechseln den Kontinent von Asien nach 
Südamerika, wo wir die letzten Monate unserer Reise 
verbringen wollen, bevor es zurück nach Europa geht 
und wir einmal die Welt umrundet haben. 

Trotz der langen Zeit die wir bis jetzt unterwegs sind, 
sind wir vor jedem neuen Land immer noch aufgeregt 
und voller Spannung, was uns erwarten wird. Schon 
bei den Vorbereitungen zu Südamerika wird uns eins 
schnell klar: Im Bezug auf unsere geliebte Freiheit 
sowie die Sicherheit im Alltag müssen wir uns jetzt 
nochmal umstellen. Wahrscheinlich fragt ihr euch an 
dieser Stelle: “Umstellen was die Sicherheit betrifft, 
nach Ländern wie Iran, Pakistan und Indien?“. 

Ja! Fakt ist, dass die Ailtagskriminaiität hier in 
Südamerika einfach nochmal eine ganz andere ist. 
Natürlich gab es auch in Pakistan und Indien - das 
gehört zur Wahrheit des Reisens in diesen Ländern 
dazu - brenzlige Situationen und Momente, wo wir 
uns bei Dunkelheit nicht auf der Straße aufhalten 
wollten. Jedoch bestätigen hier in Südamerika die 
Ausnahmen, besonders in den großen Städten oder 
auf sehr abgelegenen Pfaden, die Regel. Nicht zu weit 
abseits gehen und nie zu leichtsinnig werden. Die 
nötige Vorsicht schränkt uns vor allem zu Beginn in 
Kolumbien sehr ein. Trotzdem möchten wir uns selbst 
ein Biid machen, es wäre nicht das erste Mal, dass wir 
überwiegend positiv überrascht werden. 

Bogota und Mick Jagger 

Mitten in der Nacht kommen wir also in Kolumbiens 
Flauptstadt Bogota an. Dass hier andere Regeln gelten 


sobald es dunkel wird und die vielbeschriebene 
Sicherheitsthematik ernst genommen werden muss, 
merken wir spätestens, ais unser Taxifahrer an keiner 
roten Ampei anhäit. Kaum jemand ist zu dieser Uhrzeit 
noch abseits des Stadtkerns zu Fuß unterwegs, so gut 
wie alle Türen und Fenster sind vergittert, die 
Grundstücke mit Zäunen und Alarmanlagen gesichert. 
Ganz anders tagsüber, hier sprüht die quirlige, bunte 
Stadt und überall weht Musik durch die Luft. Da 
wundert es nicht, dass sich hier einst der gute Mickdie 
iokaie Süßigkeit hat schmecken lassen, die es heute 
als “Obleas de Mick Jagger“ für ein paar Pesos bei den 
Straßenverkäuferinnen zu kaufen gibt. Natürlich 
verkauft jeder das „Original“. Marmelade und Käse? 
Nicht nur ais Füllung der Obiade, auch Kekse, Torten 
und heiße Schokolade genießt man hier gerne “con 
queso“. 



Ausblick über Bogota 

Solo un poco Espanol 

Nach ein paarTagen in der bunten Stadt, zieht es uns 
wieder mal raus in die Natur. Je ländlicheres wird, 
umso schwieriger verstehe ich das Spanisch. Philipp 
ist sowieso ganz raus. Da hat sich die ein oder andere 
Übungseinheit vorab doch schon sehr gelohnt, denn 
dass hier vielerorts ohne Spanisch gar nichts geht, 
hätten wir nicht gedacht. Dazu kommt, dass die 
Einheimischen, spürbar stolz auf ihre Sprache, nicht 
etwa langsamer sprechen wenn da so ein Gringo mit 
“Disculpa me, hablo soio un poco espanol...“ um die 
Ecke biegt, es jedoch sehr schätzen sobald man ein 



paar Worte ihrer Sprache spricht. Durch ihre sehr nette 
und liebenswürdige Art, fühlen wir uns unter den 
Kolumbianern schnell wohl, auch wenn ein Fünkchen 
Distanz gegenüber dem Gringo trotzdem immer 
spürbar ist. Und so langsam stellt sich dann auch ein 
anderes Gefühl als Wachsamkeit ein - Vertrauen. So 
ganz loslassen können wirjedoch nicht, ein 
Quäntchen Vorsicht schwingt hier in Südamerika 
immer mit. 



Kolumbien nie ohne Musik 

Aufstieg auf 4800m endet im Schneesturm 

Wir sind überrascht was für eine atemberaubende 
Natur Kolumbien zu bieten hat. Auf unserer Reise 
durch das Land sehen wir neben unzähligen 
verschlafenen Kolonialstädten, wo im gepflasterten 
Seitensträßchen ein alter VW Käfer ruht, 
wunderschöne Natur. 



Ein alter Käfer, typisches Straßenbild in den kleinen 
Dörfern 


Dass sich von Nordwesten bis zur Südspitze 
Südamerikas die Anden entlangziehen wussten wir 
vorab, dass wirjedoch einen 4800m hohen Gipfel 
besteigen werden, wo uns oben zur Belohnung ein 
Schneesturm empfängt, hat uns selbst überrascht. 



Aufstieg auf 4800m 

Ein typisches kolumbianisches Gericht 

Von der Mandarine über die Papaya und unzähligen 
Früchten, von denen wir noch nie gehört haben, 
wächst hier in Kolumbien dank der verschiedenen 
Höhenlagen und Klimata so gut wie alles. Nicht zu 
vergessen, derweltbekannte kolumbianische Kaffee. 
Da wundert es uns, wo denn der köstliche Kaffee, den 
wir als Kaffeeliebhaber so herbeigesehnt haben und 
das ganze frische Obst sowie Gemüse eigentlich 
landet. In unseren Tassen und auf unseren Tellern 
finden wires jedenfalls auf Anhieb nicht, da müssen 
wirschon richtig suchen. In den kleinen 
einheimischen Lokalen, die meist sehr einfach 
gehalten sind, steht nach allerhöchstens zehn Minuten 
das typische “Almuerzo“ (Mittagessen) vor uns auf 
dem Tisch. Immer dabei, vorab eine Suppe (unser 
Favorit), gefolgt von einem Schlag Reis und ein paar 
Pommes, einem kleinen Maisfladen, dazu ein gutes 
Stück Fleisch (oft sehr zäh), ein Stück Riesenavocado 
(haben wir vorher noch nie gesehen) und etwas 
Bohnen. Dazu eineSpurGemüse und die 
obligatorische Kochbanane. Für den Hunger 
zwischendurch bekommt man an jeder Ecke die zu 
Beginn noch sehr verführerischen Empanadas, fritierte 
Teigtaschen die man mit verschiedenen Soßen 
aufpeppen kann. Die klassischen Gerichte sind also 
alles andere als leichte Kost und liegen uns beim ein 
oder anderen Aufstieg schonmal schwer im Magen. 









Almuerzo en Colombia 

Vom leckeren Obst und den unzähligen exotischen 
Früchten können wir hingegen nicht genug 
bekommen. Unser Favorit “Jugos“, frische Obstsäfte in 
allen Variationen. 



Exotische Früchte 

Busfahren ohne Ende, nicht ohne Belohnung 

Die Strecken von A nach B steilen uns hier nochmai 
vor eine ganz andere Herausforderung. Nach 
tausenden von Kilometern, die wir bisher mit 
sämtlichen Ausformungen von Bussen, Minivans, etc. 
auf unserer Reise zurückgelegt haben, lernen wir hier 


das Busfahren nochmai ganz neu kennen. Für 
Distanzen von zweihundert Kilometern brauchen wir 
teilweise elf Stunden und müssen dreimal umsteigen. 
Die Distanzen haben wir ganz klar unterschätzt, 
jedoch werden wirzum Glück jedesmal aufs Neue mit 
wunderschöner Natur belohnt. Hier in Kolumbien 
lernen wirdann auch endlich mal, wie eigentlich der 
Kaffee jeden Morgen in unser aller Tassen landet. Vom 
Pflücken der Kirsche über das Waschen der Bohne, bis 
hin zum Rösten und Mahlen, führen wir alle 
Arbeitsschritte an der Seite von Fleime, einem 
herzlichen einheimischen Kaffeebauern, selbst und 
von Fland aus. 



Kaffeeplantage und Bananenstauten 
Und igendwann ist es dann mal wieder so weit, nach 
schönen eineinhalb Monaten verabschieden wir uns 
von diesem vielfältigen Land, in dem wir uns so wohi 
gefühlt haben, sagen “hasta luego“ und ziehen weiter 
Richtung Süden. 





In luftiger Höhe, Reise durch die Anden 

May 5,2019 



Auf dem Weg nach Süden 

Wer durch Südamerika reist, trifft fast zwangsläufig 
irgendwann auf sie. Die Anden. Eines der größten 
Gebirge der Erde, verlaufen sie von Venezuela und 
Kolumbien im Norden des Kontinents über tausende 
Kilometer bis zur südlichsten Spitze in Feuerland. In 
Kolumbien haben wir einen Vorgeschmack 
bekommen, jetzt aber in Peru lernen wir die wilde 
Seite der Anden kennen. Aber eins nach dem anderen. 
Ankunft in Lima 

Voller Eindrücke verlassen wir nach sechs 
ereignisreichen Wochen Kolumbien und setzen 
unseren Weg Richtung Süden fort - immer mit dem 
Ziel Brasilien, wo in einigen Wochen das Schiff 
ablegen wird, das uns zurück nach Europa bringt. 
Unsere Gefühle sind im Moment gemischt. Einerseits 
haben wir Kolumbien, seine liebenswürdigen 
Menschen und die tolle Natur ins Herz geschlossen. 
Andererseits hat sich nach ein paar Wochen noch 
etwas anderes eingeschlichen, die Sehnsucht nach 
unbeschwerter Freiheit, die Spontaneität, dort hin zu 
gehen, wo unser Bauchgefühl uns hinführt und - nicht 
zuletzt - unser Hunger nach Abenteuer. Südamerika 
ist bisher nicht der Kontinent, auf dem wir das finden. 
Zuerst glauben wir, zu vorsichtigzu sein und uns selbst 
zu beschränken. Verschiedene Erlebnisse, die wir in 
Kolumbien haben zeigen uns aber, dass ein gewisses 
Maß an Vorsicht ganz einfach nötig ist und wir uns 
manche Dinge nicht nureinbilden. Die ständige 
Wachsamkeit gehört für uns hierzum Reisen dazu. 
Nach langem Hin und her machen wir uns schließlich 
auf den Weg nach Peru. Es ist Abend und die Sonne 


geht gerade unter als wir ankommen und zum ersten 
Mal schnuppern wir peruanische Luft. Das Klima hier 
ist ein ganz besonderes. Es regnet so gut wie nie in 
Lima, die Stadt ist nach Kairo in Ägypten die 
zweittrockenste Hauptstadt der Welt. Tagsüber ist es 
angenehm warm, abends kühlt es ab, kalt wird es aber 
nie. Toll! Wir haben Glück und werden die ganze Zeit 
über mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein 
verwöhnt. Keine Spur vom berüchtigten Nebel Limas, 
der die Stadt manchmal tagelang einhüllt. Doch nicht 
nur das Klima tut es uns an, Lima gefällt uns auch 
durch seine ganz spezielle Lage, direkt am Pazifischen 
Ozean. Irgendwann scheint man beschlossen zu 
haben, die Stadt bis an den vordersten Zipfel der 
Klippen zu bauen, die das Meer überragen. Schon 
abenteuerlich, wenn man sieht, wie brüchig besagte 
Klippen aussehen. 



Auf Klippen erbaut - Lima 
Passend zur imposanten Kulisse der Stadt, geht es 
auch auf den Straßen ab. Es istSemana Santa, die 
Osterwoche, und das ist in ganz Südamerika eine 
ernsthafte Angelegenheit. Straßenumzüge, Musik und 
ausgelassene Stimmung. Und trotzdem müssen wir 
sagen: der Funke will nicht so recht überspringen. 

Zwar sehen wir viele Musiker, aber die Peruaner stehen 
eher teilnahmslos drum herum. Wo istdas 
Latinofeuer?, fragen wir uns. Wie so oft erkunden wir 
die Stadt über ihr Essen und so führt unser Gang 
natürlich, wie immer, direkt in eines der einfachen 
lokale, wo fast ausschließlich nur die Einheimischen 
essen. Schnell das „Menu del dia“ geordert und kurz 
darauf stellt eine eher launische Bedienung Ceviche, 







eines der beliebtesten Gerichte Perus, auf den Tisch. 
Roher Fisch mit Zwiebeln, Mais und Süßkartoffeln. 
Bildet euch am besten selbst eine Meinung zu dieser 
Kombi.. Abends gibt’s dann obendrauf noch einen 
Pisco, das Nationalgetränk hier in Peru. Man nehme 
Schnaps, presse ein paar Limetten aus und mixe das 
Ganze mit geschlagenem Eiweiß. Es sei verraten: Leni 
hat schnell ihr neues Lieblingsgetränk gefunden. 
Wüste und der Pazifik 

Von Lima aus fahren wir einmal die Küste Perus 
entlang Richtung Bolivien. Hier ist Peru eine einzige 
Wüste. Sanddünen und karge Landschaft so weit das 
Auge reicht. Aber spektakulär schön. Auf der einen 
Seite immer der Pazifik, geht es fast 1.000km voran. 
Alles hier wirkt deutlich rauer, wilder, als in Kolumbien. 
In den Bergen schließlich angekommen, bietet sich 
wieder ein ganz anderes Bild. Hohe schneebedeckte 
Gipfel, und die wilde Landschaft des Altiplano, des 
peruanischen Hochlands. Obwohl wirdie Höhe schon 
gewohnt sein müssten, merken wir den Unterschied 
sofort..ein paar Treppenstufen steigen und dann 
erstmal durchatmen. 



Wilde Landschaft, Perus Küsten-Highway 
Übernachtung auf dem Titicacasee 

Seen sind für mich irgendwie..sagen wir mal ich kenne 
spektakulärere Landschaften. In meinerVorstellung 
war der Titicacasee deshalb kein besonderer Ort. 
Einfach nur ein See, nur eben hier besonders hoch 
gelegen. Wie ich mich da mal nicht getäuscht habe! 
Der Titicacasee ist für uns einer dieser besonderen 
Orte auf unserer Reise, die man nur schwer 
beschreiben kann. Das Wasser erstreckt sich tiefblau 
bis zum Horizont, nur begrenzt von gewaltigen 
schneebedeckten Bergketten, die bereits zu Bolivien 
gehören. Ich sage zu Leni, dass man förmlich spüren 


kann wie hoch der See liegt, nämlich auf fast 4.000 
Meter Höhe. Verrückt, oder? Trotz der Höhe leben hier 
Menschen, manche teilweise auf Inseln im See, die 
lange von der Außenwelt isoliert waren. Mittlerweile 
machen die Leute in Tourismus und weite Teile der 
Inseln werden jeden Tag von Gruppentouristen 
„überschwemmt“. Uns kommt es so vor, als wäre die 
ganze Folklore nur für die Besucher aufgesetzt. 
Scheint die meisten aber nicht zu stören. Für uns 
ergibt sich spontan die Möglichkeit, die Nacht bei 
einer einheimischen Familie auf einer Insel mitten im 
Titicacasee zu verbringen. Dabei bekommen wir noch 
einmal einen ganz neuen Einblick in das zum Teil 
immernoch sehr traditionelle Leben auf den Inseln, 
dort wo der Tourismus eben noch nicht 
Haupteinnahmequelle ist. Ein hartes Leben ist das 
hier, das merken wir schnell. Auf der Insel genießen 
wir dann eine Ruhe, wie wir sie lange nicht mehr 
hatten. Es gibt keinen Autoverkehr, noch nicht einmal 
Pferde. Herrliche Stille. Tagsüber erkunden wir kleinen 
Pfade und finden alte Inka-Ruinen, genießen den 
Panorama-Ausblick von einem der vielen 
Aussichtspunkte überden ganzen See und lauschen 
der Stille um uns herum. 



Höchstgelegener beschiffbarer See der Welt 



Traditionelles Outfit rund um den Titicacasee 











Harte Natur, widerstandsfähige Menschen 

Über Peru haben wirvon vielen Reisenden gesagt 
bekommen, das Land sei rau. Die Menschen hart, 
verschlossen. Wir dagegen haben ganz andere 
Erfahrungen gemacht. Wie überall auf der Welt, 
erwidern die Menschen ein Lächeln, wenn man ihnen 
denn eines schenkt. Schon nach kurzer Zeit schließen 
wirdie Peruaner ins Herz. Es stimmt, die Menschen 
hier sind nicht so fröhlich und nicht auf Anhieb so 
freundlich wie die Kolumbianer. Aber hinter der etwas 
markanten Fassade verstecken sich tolle Menschen, 
die liebenswürdig sind und uns sehr nett begegnen. 
Manchmal muss man einfach etwas graben, um hinter 
dem Rauen und Spröden, die Schönheitzu entdecken. 
Das gilt hierin Peru sowohl für die Menschen, als auch 
für die Orte die wir besuchen. Die Städte sind nicht 
schön. Es ist schmutzig, manchmal stinkt’s und man 
sieht auch sehr viel Armut. Das Schöne hier, das sind 
die Menschen und ihre Widerstandsfähigkeit. Sie 
trotzen jeglichen Klimata und Höhen und finden 


immereinen Weg durchzukommen. Diese durch Natur 
und Klima bedingte Härte sieht man den Menschen 
förmlich an. Wenn wir aber erst einmal mit unseren 
paar Brocken Spanisch versuchen ein Gespräch zu 
beginnen,freuen sich die Peruanerdoch überein 
kleines Schwätzle. Das Peru, das wir so kennenlernen, 
gefällt uns überraschend gut und am Ende sind wir 
fast ein wenig traurig darüber, dass wir weitermüssen. 
Brasil is calling! 



Ohne Kontext, ich finde die abgefahrenen 
peruanischen Kartoffeln einfach toll. 




Beachlife in Brasilien 

June 28,2019 



Oh brasil que lindo, wunderschönes Brasilien 



Nach Wochen kalter Nächte im Hochland von Peru 
und Bolivien stehen wir nun an einem brasilianischen 
Grenzübergang und es ist heiß. „Endlich!“, möchten 
wir rufen. Endlich wiederWärme, statt kaltem 
Andenklima, endlich wieder schwitzen, statt mit drei 
Decken schlafen zu müssen. Endlich Brasilien. Que 
lindo! Seit inzwischen 24 Stunden sind wir unterwegs, 
vom Gran Chaco in Bolivien bis ins Pantanal. 
Entsprechend geben wirein ziemlich jämmerliches 
Erscheinungsbild ab. Als wir die letzten Schritte hin 
zum Grenzposten gehen, sind wir aber wie neu 
beflügelt. Etwas hier ist anders, die Brasilianer strahlen 
eine Lässigkeit und Coolness aus, die direkt an steckt. 
Und etwas liegt in der Luft, ein unverkennbarer Duft, 
etwas süßlich-blumiges. Wenn es etwas gibt, das ich 
mit Brasilien auf Anhieb assoziiere, dann diesen Duft, 
der auf dem ganzen Land zu liegen scheint. 



Ausblick vom Balkon unserer kleinen Hütte 


Es ist einer dieser Grenzübergange, bei dem mehr als 
nur die Flagge wechselt. Mit Brasilien geht ein ganzes 
Lebensgefühl einher. Wir ahnen schon beim 
Grenzübertritt, dass Brasilien uns gut gefallen wird, 
aberwirsind auch überwältigt von der schieren Größe 
des Landes. Brasilien ist quasi ein Kontinent, die 
Distanzen irre groß. Straßenschilder mit Angaben wie 
„Rio de Janeiro 2588km“ sind keine Seltenheit. Von 
vorneherein wardaher klar, wirsuchen uns ein ruhiges 
Plätzchen und dort halten wir es dann aus, bis das 
Schiff abfährt. Ein kleines Häuschen, eine nette 
Ferienwohnung, sowas in der Art. Zwei Wochen sind 
es dann geworden, die wir in unserem kleinen Domizil, 
direkt an der brasilianischen Küste, verbracht haben. 
Am Strand geht es locker zu, Surfer toben sich auf den 
Wellen aus, aus kleinen, zu Bars umgebauten Hütten, 
schwappt Reggae zu uns herüber. Keine Hektik, keine 
Ablenkungen, nur Sonne, Meer und Caipirinhas satt. 

Es ist ein toller Ausklang eines so intensiven und 
erlebnisreichen Jahres, auch wenn die Rückreise nach 
Europa natürlich noch bevorsteht. Zwei Wochen 
vergehen wie im Flug und dann ist es soweit, die 
nächste und letzte Etappe unserer Reise steht an. 









Wilder Ozean und tolle Strände 








Überden Ozean 

June 30,2019 



Den Atlantik mit dem Schiff überqueren, zehn Tage 
auf See. Reisen, wie zu Zeiten, in denen sich die 
Menschen noch Zeit genommen haben. 



Wir sitzen gemütlich vor unserem kleinen Bungalow, 
in dem wir es uns die letzten beiden Wochen in 
Brasilien gemütlich gemacht haben. Viel ist uns in 
dieser Zeit durch den Kopf gegangen, oft waren wir 
hin- und hergerissen zwischen Glücksgefühlen und 
Trauer, zwischen Begeisterung über den Teil der Reise, 
der noch vor uns liegt und Wehmut bei der Erinnerung 
an das, was die letzten 111/2 Monate war. Was noch 
vor uns liegt, das war eigentlich und ausnahmsweise 
ganz genau geplant. Mit dem Frachtschiff den Atlantik 
überqueren. Der Abfahrtstermin seit übereinem 
halben Jahrfix. Die Überfahrt bezahlt. Freunde und 
Familie informiert, wann und wo wir ankommen 
werden. Aber wie so oft auf unserer Reise, kommt 
dann doch alles anders. Zuerst ändern sich der 
Abfahrtstermin und das Ziel. Rotterdam statt Algeciras, 
2.500km trennen die beiden Orte voneinander. 


„Bitte beachten Sie bei Ihrer Reiseplanung, dass 
kurzfristige Änderungen des Fahrplans möglich 
sind.“ 

Wir nehmen es mit Humor, passt ja auch irgendwie 
dann alles wiederzusammen. Zum Schluss dann noch 
eine weitere Nachricht vom Hafenagenten, der 
Abfahrtstermin hat sich erneut geändert. Wir müssen 
los. Jetzt sofort. In drei Stunden am Hafen sein, das 
Schiff legt heute ab. Der Hafenagent scheint selbst im 
Stress zu sein, denn seine Nachrichten sind abgehakt 
wie im Stil alter Telegraphen-Texte verfasst. Nachdem 
wir zwei Wochen das entspannte Leben am 
brasilianischen Strand genossen haben, wird es jetzt 
nochmal hektisch. Rucksäcke in aller Eile packen und 
los. Wir rennen zur Bushaltestelle und rasen Richtung 
Hafen, wobei rasen hier eine Übertreibung ist-wir 
sitzen im Bus und fragen uns, wie viele nicht 
ausgewiesene Haltepunkte es auf der vergleichsweise 
kurzen Strecke geben kann. Mit reichlich Adrenalin im 
Bluterreichen wirschließlich den Hafen, es ist eine 
Punktlandung. Am Eingang wartet man schon auf uns, 
halb geistesabwesend gehen wir durch die 
Zollprüfung, ein letztes Mal werden unsere Rucksäcke 
gecheckt, dann folgen wir unserem Agenten. Als wir 
um eine Ecke biegen und sich auf einmal das 
Frachtschiff vor uns erhebt, können wir es kaum 
fassen. Das Schiff ist riesig, Container werden gerade 
verladen und wir wissen nicht, wo wir als erstes 
hinschauen sollen. Gleichzeitig stellt sich ein 
unglaubliches Glücksgefühl ein, das wirspäteran 
Bord, nachdem die erste Aufregung abgeklungen ist, 
noch viel stärker verspüren. Wir haben es geschafft! 
Monatelang war es unser Ziel auf dieses Schiff zu 
kommen und jetzt stehen wir hier. Es ist 
überwältigend. Da um uns herum alle voll damit 
beschäftigt sind, letzte Handgriffe vorder Abfahrt 
durchzuführen, merkt es niemand, aber wirsind in 
diesem Moment verdammt stolz auf uns! 






Ein Jahr später 

July 9,2019 



Hallo ihr Lieben, 

die Überschrift lässt es erahnen, ein Jahr ist vergangen 
und wir haben einmal die Weit umrundet! Vor einem 
Jahr ging es für uns ios und jetzt ist es tatsächlich so: 
Wir sind wieder zu Hause!? Jetzt müssen wir erstmai 
ankommen und uns wieder einieben. Wir merken 
schon jetzt: das wird sicher noch etwas dauern! Umso 
schöner ist es für uns, unsere Familien und Freunde 
wiederzusehen und das genießen wir momentan in 
vollen Zügen. Wenn wirsoweitsind und wieder so 
richtig in unseren eigenen vier Wänden angekommen 
sind, soll es für euch auf alle Fälle noch etwas zu lesen 


geben, wir möchten unser Reiseprojekt (auch) hier 
gerne noch etwas weiter pflegen, wie das genau 
aussehen soll wissen wir momentan noch nicht. Aber 
jetzt heißt es erstmal ganz viel Zeit mit unseren 
Liebsten verbringen, denn alles andere kann warten. 
Ein riesengroßes Dankeschön nochmal an alle die 
uns während unserer tollen Reise begleitet haben, ihr 
seid spitze! 

Bis bald, 

Leni&Phiiipp 



Auf dem Weg nach Hause 











Ein neuer Blick auf die Heimat 

August 22,2019 



Ein Jahr ist vergangen, seitdem wir mit unseren 
Rucksäcken losgezogen sind. Jetzt sind wir zurück. 
Daheim. Aber was genau heißt 
eigentlich„Daheim“? 



Ich weiss es noch genau, es war Ende Juni 2018. Wir 
räumen gerade die letzten Gläser ab, die 
Abschiedsparty ist vorbei und die letzten Gäste sind 
auf dem Heimweg. Freunde waren nochmal da, die 


Familie. Wir waren lange so aufgeregt und mit allem 
möglichen beschäftigt, dass wir uns aufs 
Abschiednehmen gar nicht richtig einstellen konnten. 
Und jetzt sind alle weg, wir haben sie für mindestens 
ein Jahr das letzte Mal gesehen. Ein komisches Gefühl 
und innerlich waren wir total aufgewühlt. Es warein 
Gefühl, dass uns die ersten Tage und Wochen 
unterwegs begleitet hat, bis wir irgendwann dann 
richtig angekommen waren im Reisen. Die 
Entscheidung zu der Reise haben wir nichtvon heute 
auf morgen gefällt. Es war mehr ein Gefühl, ein 
Gedanke, der sich immer mehr verselbständigt hat 
und irgendwann so groß war, dass der ganze Alltag 
davon bestimmt war. Keine einfache Zeit und 
konfliktfrei schon gar nicht. Wir wussten also, 
irgendwann müssen wir uns entscheiden: Machen 
wir’s? Trauen wir uns? Was passiert mit der Arbeit, der 
Wohnung? Man macht sich so viele Gedanken, 
versuchtalleszu bewerten,zu berücksichtigen. Aber 
am Ende ist es ein Impuls, eine Entscheidung aus dem 
Bauch heraus. Wir machen es. Was nach der Reise sein 
wird spielt in dem Moment keine Rolle und das soll es 
auch nicht. Alles wird sich schon irgendwie ergeben. 
Wie es aber tatsächlich ist, dann auch wieder 
zurückzukommen, konnten wir uns nicht ausmalen. 

Wir sind zurück! Und jetzt? 

Vorder Reise dachten wir, das Davor sei der harte Teil. 
Die Unsicherheit und am Ende dann der Abschied von 
den Liebsten. Das stimmt auch. Wir haben aber nicht 
damit gerechnet, dass uns die Heimkehr mindestens 
genauso schwer fallen würde. Ob man es glaubt oder 
nicht, eine Reise verändert. Wir sind nicht als neue 
Menschen zurückgekehrt, aber mit neuen Sichtweisen 
und anderen Prioritäten. Und neben all den 
praktischen Schwierigkeiten der Rückkehr, schleicht 
sich ein neues Gefühl ein, ein Gefühl von Vertrautheit. 
Heimat, das war für uns früher etwas 
Unausgesprochenes. Ist halt da, wo man wohnt. Jetzt 









aber merken wir, dass sich etwas getan hat. In den 
ersten Tagen ist es ein Mix aus tiefer Trauer, dass das 
Jahr vorbei ist und einem Glücksgefühl, dass wir 
wieder zu Hause sind. Uns fallen auf einmal Dinge auf, 
die uns vorder Reise nie bewusst waren. Die 
Schönheit der Landschaft, das nette und lockere 
Miteinander im Dorf, das riesige Angebot an Kultur 
und die Möglichkeiten sich einzubringen und mit 
anzupacken. Familie und Freunde in der Nähe. Und 
vom guten Deutschen Essen will ich gar nicht erst 
anfangen! Quer überden Globus haben wir nicht nur 
andere Länder und Kulturen kennengelernt, wir haben 
auch Deutschland und unsere Heimat lieben gelernt. 
Details der Fremde haben uns etwas darüber 
beigebracht, was es bedeutet, Europäer zu sein, was 
für einen kulturellen Schatz wir hier haben, manchmal 


versteckt, oft aber selbst im kleinsten Dorfkern zu 
finden. Heimat ist für uns nicht mehrnurderOrtaus 
dem wir kommen, es ist ein Ort, den wir selbst 
mitgestalten möchten. Heimat ist für uns noch viel 
mehr als früher auch Geborgenheit und Entdecken. 
Und genau das machen wir jetzt, wir entdecken... 




Auf dem Weg nach Belgrad 

December 13,2019 



Am Küchentisch, Ende November 2019... 

“Wohin fährst du denn jetzt?”, fragt Leni. “Keine 
Ahnung, ich weiss nicht was ich machen soll... 
vielleicht nach Belgrad?”. Ich fahr’ dich zum Bahnhof. 
Komm’, pack deine Sachen.” Ich schaue auf die Uhr, 
08:35 Uhr. “Das wird verdammt knapp, der Bus fährt 
um 09:15 Uhr. Reicht das überhaupt noch?”. 

Fünf Minuten spätersitzen wir im Auto auf dem Weg 
zum Bahnhof. Immer wieder versuche ich unauffällig 
die Uhrzeit vom Amaturenbrett abzulesen. Reicht es 
noch? Ein Teil in mir hofft zu diesem Zeitpunkt, dass 
wirzu spät dran sind, der Bus schon abgefahren ist. 
Meine ungeplante und irrationale Entscheidung, mal 
eben auf den Balkan zu fahren, folgenlos bleibt. Bleibt 
sie aber nicht. Wirsind noch rechtzeitig dran. 

Ich schnalle meinen Rucksack auf, der sich sechs 
Monate nach dem Ende unserer Reise noch so vertraut 
anfühlt wie ein gutes Paar Schuhe, und laufe zur 
Haltebucht. Der Busfahrer spricht zwar nur gebrochen 
Deutsch, aber mir wird auch so schnell klar, dass eres 
eilig hat. Während ich ein Ticket ziehe, realisiere ich 
noch nicht, was ich da gerade eigentlich mache. Kaum 
habe ich mich gesetzt fahren wir auch schon los. 
Nächster Stopp: Zagreb, Kroatien. 

Die Schockstarre währt nur kurz. Bald werden 
Erinnerungen wach. Die vertrauten Geräusche am 


Bahnhof, die Hektik vorder Abfahrt, das Eintauchen in 
die Masse fremder Menschen, die zunächst nur durch 
ein gemeinsames Reiseziel miteinander verbunden 
sind. Ich bekomme Reisefieber und auch wenn es ein 
wenig übertrieben klingt: Als der Bus losfährt fühle ich 
mich wieder ein kleines bisschen wie ein Abenteurer. 
20 Stunden Busfahrt liegen vor mir. 20 Stunden 
abwechselnd schnarchende, schmatzende oder 
lautstark telefonierende Mitfahrer um mich herum. 
Egal, all diese Eindrücke, das manchmal Unbequeme, 
das macht eine Reise aus. Unterscheidet sie vom 
normalen Urlaubstrip, egal ob es sich dabei um 
wenige Tage handelt, so wie jetzt, oder um Wochen 
oder gar Monate. 

Dobro jutro 

Mit steifem Nacken komme ich um 5:25 Uhr in Belgrad 
an. An Schlaf war nicht zu denken. Irgendwann, es 
muss bei Stunde 8:32 gewesen sein, habe ich es 
entnervt aufgegeben, eine auch nur halbwegs 
bequeme Schlafposition zu finden. Dass der Busfahrer 
ohne erkennbaren Anlass auf serbisch ins Mikrofon 
schreit, dass wir jetzt da sind, das gibt mir den Rest. 
Also: Ankunft in Belgrad, steifer Nacken, 
eingeschlafenes Gesäß, dunkle Ringe unter den 
Augen. Kann los gehen. Egal, ich brauche das. Dieses 
Gefühl, in der Fremde zu sein. Den Kopf frei zu 
bekommen und mich zu erholen. Nicht im Sinne von 
guter Schlafqualität oder Ausspannen, sondern durch 
neue Eindrücke und Erlebnisse. Diese Erlebnisse sind 
es, die mir den Alltagsstress nehmen und mich neu 
beleben und genau das brauche ich jetzt. 

Aber zurück zu besagtem Morgen in Belgrad. Jetzt nen 
Kaffee, denke ich mir. Es stellt sich jedoch schnell 
heraus, dass zu so früher Stunde nur eine Handvoll 
Etablissements von zweifelhaftem Charakter geöffnet 
hat. Es gibt Instant-Cappuccino. Auch das weckt 
Erinnerungen an die Weltreise. 

Die Stadt schläft noch 






















Typisch Belgrader Atmosphäre beim Betreten meines 
Hostels 

Als ich das Bahnhofs-Cafe wenig gestärkt verlassen, 
versuche ich mir einen ersten Überblick zu 
verschaffen. Die Straßen sind praktisch leer, Belgrad 
noch im Schlaf. Es ist eine sonderbare Stimmung. Die 
vielen verfallenen Gebäude, die Graffitis überall, das 
alles erinnert mich stark an Südamerika. Doch im 
Gegensatz zum Kontinent eines Jair Bolsonaro, 

Nicolas Maduro oder Ivan Duque fühle ich mich hier 
spontan sichervor Überfällen und Raub. Ich kann nich 
erklären, woran das liegt. Bauchgefühl. Bei manchen 
Gebäuden habe ich ernsthafte Zweifel, ob darin noch 
Menschen leben. Doch selbstverständlich sind die 
allermeisten nach wie vor bewohnt. 

Es dauert auch nicht lange, da verfliegt die Ruhe. Mit 
den ersten Sonnenstrahlen strömen die Menschen aus 
den vormals noch sinister wirkenden Hauseingängen. 
Leute führen ihre Hunde aus, oft in einen der vielen 
Parks, die Belgrad zuhauf bietet. Schon nach kurzer 
Zeit gleicht die Stadt einem Ameisenhaufen. Dutzende 
Bäckereien holen den Rolladen ein und bringen ihre 
meist schweren und fettigen Speisen unter die Leute. 
Stände werden auf der Straße errichtet, alte Frauen 
und Männer bestücken einen Flohmarkt und warten 
anschließend stoisch auf einen Abnehmerfür ihren 
Plunder. Natürlich nicht ohne das auf dem Balkan 
typische Zanken und Fluchen bei jeder sich bietenden 
Gelegenheit. 


Flohmarkt früh Morgens 
Die Kaffees füllen sich mit schwatzenden und 
paffenden Menschen. Belgrad und Kaffee, das ist 
sowieso eine spezielle Beziehung. Wenn es eine 
Leidenschaft neben dem Kette-Rauchen zu geben 
scheint, dann der Kaffeekonsum. Kaum eine 
Straßenecke ohne das obligatorische “caffe”. 
Rauchverbot gibts zwar offiziell, interessiert aber 
niemanden. Im Zweifel reicht der Hinweis an der 
Eingangstür, schon gilt das Lokal als rauchfrei. 
Natürlich sitzen dann trotzdem paffende Serben in 
jeder Ecke. Macht nichts, die Kaffeekultur hier gefällt 
mir dennoch. Und auch sonst hat die Stadt einen 
morbiden Charme, der sich nicht auf den ersten Blick 
erschließt. Belgrad ist eine gezeichnete Stadt, in 
vielerlei Hinsicht. 


Hier hausen nur noch Flüchtlinge, die auf ihrem Weg 
gen Westeuropa in Serbien gestrandet sind 








































Über Jahrhunderte war Belgrad umkämpft, im 
Spannungsfeld zwischen Ost und West. Die Osmanen 
haben hier mehr ais drei Jahrhunderte geherrscht und 
hinteriießen ein reichhaltiges Erbe. Muslimische 
Paläste, die Seraiis, hunderte Moscheen und auch 
einige dertypisch osmanischen Hamams. Geblieben 
ist davon wenig. Eine einzige klägliche Moschee hat 
überdauert und die früher zahlreichen türkischen 
Wohngebäude sind ebenfalls fast vollständig 
verschwunden. Im Zweiten Weltkrieg hat Hitler ein 
“Strafgericht” über Belgrad verhängt. Jugoslawien, 
wovon Serbein zu dieser Zeit noch ein Teil gewesen 
ist, hatte sich der Sowjetunion angenähert hat. In der 
Folge wurde die Stadt von der Luftwaffe bombardiert, 
mit sichtbaren Zeichen der Verwüstung bis heute. 
Zuletzt trug die Stadt im Kosovokrieg Narben davon. 
Die Überreste mancher Gebäude die damals zerstört 
wurden, stehen zum Teil noch immer- übersäht mit 
Einschussiöchern. 



Kreative Foto-Kunst rund um den Studentski Park 
Was ist Belgrad?, frage ich mich unweigerlich. Was 
macht die Stadt und seine Einwohner aus? Viele 
wollen weg, auch nach Deutschland. Die 
wirtschaftlichen Perspektiven, die Unsicherheit, treibt 
viele, vor allem junge Menschen, aus dem Land. 
Trotzdem: Die Stadt hat etwas Dauerhaftes an sich, 
einen festen Kern. Die Serben waren schon immer 
unbeugsam. Neben der Abwanderung gibt es deshalb 
auch die andere Seite, die bieibt. Beispielsweise eine 
junge und dymanische Künstierszene. Belgrad wird 
weiter im Wandel bleiben, vielleicht ist auch genau 
das, was die Stadt so interessant macht. So wird es 
sicher nicht das letzte Mai gewesen sein, dass ich die 
Stadt besucht habe. 

Mein Abschied verläuft ähnlich wie die Ankunft: Ich 
trinke Kaffee. Es ist 23:15 Uhr. Noch 15 Minuten bis der 
Bus abfährt, es wird wieder eine lange Nacht.